Am Anfang steht …: das Mittendrin

16. November 2016
Silvia Glaser

Der erste Blogtext auf „meiner“ Seite. Der geborene Blogger bin ich nicht. Kann ich allein auf Grund meines Alters nicht sein. Wörtlich betrachtet müsste ich dazu als Blogger geboren sein. Die Klugscheißer wissen: die ersten „öffentlich einsehbaren Tagebücher“ tauchten erst irgendwann Mitte der 90er Jahre auf. Ein Zeitalter, in dem ich bereits auf knackige 30 zuging. Und so kann ich allenfalls von einer Wiedergeburt sprechen. Also ein reinkarnierter Blogger?

Nee, immer noch nicht. Es dauerte knapp weitere 20 Jahre, ehe ich auf liebevolles Drängen hin eines Freundes die ersten Blogtexte auf seiner Seite veröffentlichte. Die Seite war und ist ein voller Erfolg. Wir – ein kleiner Kreis der Generation X – schrieben und schreiben wild zu jeweils zufällig gewählten Schlagworten. Aus purer Freude am Schreiben – und der Ironie.

Also allenfalls eine – wie yogisch durchaus erklärbar – x’te Reinkarnation als Blogger im Laufe meines jetzigen ErdenDaseins. Ende der InkarnationsTheorie. Für heute. Schließlich will ich meine Leser nicht gleich mit dem ersten unter meinem Namen veröffentlichten Text derart herausfordern.

Kann man einen ersten Text über einen ersten Text schreiben? Man kann. Welchen Sinn hat das? Welchen Sinn haben Blogtexte überhaupt? Den Narzissten in uns konditionieren, pflegen und bedienen? Die Welt verbessern? Mentaler Exhibitionismus?

Darüber habe ich eine ganze Weile und in unterschiedlichen Situationen „sinniert“. Und damit kläre ich an dieser Stelle kurz auf, wo und wie die meisten meiner Texte entstehen. Beim Joggen, beim Autofahren, im Flieger, im Zug, beim Bügeln. Und vor allem: in möglichst gut besuchten Cafés, Bars, … Tätigkeiten und Orte, die eine gewisse Monotonie einer körperlichen Aktivität und / oder Aufmerksamkeit erfordern, der sich der Verstand vordergründig widmen kann und der Anteil des übereifrigen Zensor- und KritikerAnteil so bewusst (ab-)gelenkt wird. Nicht stört.

Ganz oberflächlich betrachtet funktioniert Hypnose ungefähr auf diese Art und Weise. Mehr dazu in einem späteren Text von mir. Vom Genie W.A. Mozart wissen wir, dass er sich von Constanze die Tageszeitung vorlesen ließ: Um seine Gedanken zu beschäftigen so dass seine Kompositionen zunächst ungestört von kritisierenden und damit die Kreativität limitierenden Gedanken aus der – nennen wir es mal: Intuition sprudeln konnten. Und bei mir funktioniert das Schreiben auf diese Art und Weise auch ganz gut.

Eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Schreibens steht noch aus. Nach vielen Kilometern durch den Wald und am See entlang, nach vielen Meilen im Flieger, Kilometern im Zug, Staus auf den Autobahnen dieser Nation und lustigen Diskussionen mit unterschiedlichen Menschen komme ich zu dem Ergebnis: es ist schlicht und ergreifend die Freude am Schreiben. Das „Raus aus dem Kopf und rein in die Tasten“.

Dieser Text entsteht in seiner ersten Fassung im Flieger nach Hamburg. Und hier ein roter Faden der sich durch alle meine bisherigen Texte zieht – und auf Wunsch meiner unglaublich treuen Fans noch eine Weile ziehen wird: eine kurze Beschreibung meiner Kleidung beim Schreiben. Schwarze Hose, schwarzes T-Shirt, moccabraune KaschmirStrickJacke, schwarze WildlederChelseas. Und für Olivia: Tod’s, MarcO’Polo, Wolford, h&m. – Wenn das mal nicht narzisstische Anteile sind…

Zurück zum „Ersten Text“: Redigiert wird unter vollem Einsatz der ganzen mir möglichen Konzentration und grammatikalischen Fähigkeit später am Schreibtisch. Dort darf sich der korrigierende und kritisierende Anteil meines Verstandes ausleben.

Ehe einer meiner Texte online geht, wird er von mindestens einer Person gelesen. Hier sei ergänzt, dass ich auf inhaltliche Veränderungsvorschläge irgendwie immer ziemlich pissig reagiere. Vielen Dank an dieser Stelle an meine lieben Freunde, dass sie trotzdem immer wieder lesen und den Versuch unternehmen, inhaltliche Veränderungen vorzuschlagen:-)